glimpses of eternity

Du bereitest vor mir einen Tisch, im Angesicht meiner Feinde.
- Psalm 23, 5 -

Menschen sind fragil. Manchmal so leicht zu entwürdigen. Und oft ist so wenig ausreichend, um einer Person das zu nehmen, was Gott ihr geschenkt hat: die Achtung vor sich selbst.

Gott hat uns Selbstachtung (zurück-)gegeben. Indem all unsere Unperfektheiten, unsere Mängel, unser Unvermögen durch Jesus selbst ausgefüllt wurden, sind wir dazu befreit, zu leben. Wir dürfen in einer Würde leben, die uns gehört. Die wir nicht erarbeiten können, die wir nicht durch Leistung erbringen können. Sie ist uns durch die Liebe und Wertschätzung von Gott selbst gegeben.

Mich berührt die Haltung, die Jesus in Lukas 7, 36-50 einnimmt, unwahrscheinlich. Sie ist sinnbildlich für das, wie Jesus mir begegnen will. Und sie entblösst die lieblose Haltung von Simeon, dem Hohepriester. Der sich selbst für etwas Besseres hält, und die Frau zu den Füssen von Jesus verachtet. Seine herzlose Art und der Mangel an Liebe machen ihn zu einem stolzen, unzugänglichen Mann. Einem Mann, der die Liebe Gottes nicht verstanden hat.

So, wie Jesus mit der Frau umgeht, würdigt er sie in einer Art und Weise, die sie umfassend wertschätzt. In seinen Augen wiederspiegelt sich das liebende Herz, welches die Frau vor ihm ausgegossen hat. Er sieht, wie sie ist. Er sieht ihre Beweggründe und ihre Sehnsucht danach, ihm so völlig hingegeben zu sein. Und er bringt ihr dafür soviel Respekt und Wertschätzung entgegen, dass ihre Hingabe nicht dem entspricht, wonach sie eigentlich aussieht (Demütigung), sondern dem entspricht, was sie ist (Hingabe).

Es scheint unerklärlich, warum Gottes Kinder immer wieder um die Gunst von "Simeon" buhlen in der Hoffnung, Achtung vor dessen Augen zu finden. Auch ich verschwende immer wieder mein Herz an Dinge und Menschen, die dieser Liebe nicht würdig sind. Weil sie nicht fähig sind zu lieben, wie Jesus liebt. Zu sehen, was Jesus sieht.
Und ich nicht fähig bin, die Würdigung meiner selbst dort zu suchen, wo ich sie empfangen kann - und ich kann sie nur bei Jesus empfangen. Und bei Menschen, die Jesus von Herzen lieben und die mich mit seinen Augen sehen.

Ich habe eine neue Sehnsucht danach, Jesus mein Herz ebenso vollständig auszugiessen, wie die Frau dies getan hat. Unabhängig davon, was Menschen sagen, die darum herum stehen. Und vor allem mich nicht darum zu kümmern, deren Gunst zu erlangen. Denn sie werden nicht fähig sein zu sehen, was Jesus sieht. Gleich wie Simeon nicht fähig war zu sehen, was eigentlich vor seinen Augen in seinem Haus passiert ist.

Somit macht auch die Antwort von Jesus am Ende der Geschichte ganz neu einen Sinn: "Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebt; welchem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig." Nicht die vielen Sünden bewirken, dass die Frau Jesus besonders heftig liebt. Sondern die Verlorenheit ihres Herzens, deren sie sich bewusst ist. Und die sie Jesus hingibt im Wissen, dass er ihre Verlorenheit ausfüllen, und ihr mit Achtung und Würde begegnen wird.
Und genau das, das Wissen, dass Jesus mir soviel Annahme entgegenbringt, macht ihn und seinen gedeckten Tisch so viel wertvoller als alles, was ich mir an Gunst und Achtung bei anderen erarbeiten könnte. Er hat mit seiner Liebe den Boden bereitet und es rührt mich zu Tränen, dass ich darauf gehen darf und so grundlos, so unverdient von ihm in diesem Ausmass geliebt und sehnlichst erwartet werde.

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10.11.08 22:52
 


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